Betriebliche Ersthelferschulungen. Erste Hilfe Kurse für Ersthelfer.

Erste Hilfe Kurse

ERSTE HILFE.

Für den Moment, in dem aus „eigentlich müsste man“ plötzlich „jetzt muss man“ wird.

Ein Bericht über Erste Hilfe, Kursformate, Lernen unter realen Bedingungen – und darüber, warum ein Thema, das fast jeden Menschen irgendwann betrifft, gesellschaftlich noch immer erstaunlich wenig Aufmerksamkeit bekommt.

Erste Hilfe ist eines dieser Themen, von denen fast jeder überzeugt ist, dass sie wichtig sind – solange gerade nichts passiert. Der Kurs wird für den Führerschein besucht, vom Arbeitgeber organisiert oder für irgendeine Bescheinigung gebraucht. Danach verschwindet das Thema häufig wieder aus dem Alltag.

  • Bis jemand umfällt.
  • Bis ein Motorradfahrer wenige Meter vor dir stürzt.
  • Bis der Kollege plötzlich nicht mehr antwortet.
  • Bis das eigene Kind nicht richtig atmet.
  • Oder bis beim Segeln, Wandern oder irgendwo weit weg vom nächsten Rettungswagen aus einer kleinen Situation eine ziemlich große wird.

Dann wird aus theoretischem Wissen Handlungskompetenz. Und genau darin liegt der eigentliche Sinn von Erster Hilfe.

Bei TEN® in Hamburg beschäftigen wir uns seit mehr als 20 Jahren mit Notfallmedizin und Gefahrenabwehr. Neben der klassischen Ersten Hilfe gehören unter anderem betriebliche Erste Hilfe, Führerscheinkurse, Betriebssanitätsdienst, Reanimations- und AED-Trainings, Kindernotfälle, Offshore- und Spezialformate sowie Notfalltrainings für medizinische Einrichtungen zum Spektrum. Der formulierte Anspruch dahinter lautet nicht, möglichst viel Wissen zu vermitteln, sondern Menschen etwas wirklich können zu lassen. [1]

Und das ist ein erheblicher Unterschied.


 

Was ist Erste Hilfe eigentlich?

Erste Hilfe ist keine kleine Version des Rettungsdienstes und ein Ersthelfer soll keine Ärztin oder keinen Notfallsanitäter ersetzen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung beschreibt ausdrücklich, dass Erste Hilfe durch Laien kein Ersatz für ärztliche Maßnahmen ist. [4]

Die Aufgabe ist viel elementarer: Gefahr erkennen, sich selbst schützen, einen Notfall erkennen, Hilfe organisieren und die entscheidenden ersten Maßnahmen durchführen, bis professionelle Hilfe übernimmt. Genau dieser systematische Ansatz findet sich sowohl in den deutschen DGUV-Vorgaben als auch im internationalen Community-First-Aid-Konzept der WHO. [5][14]

Juristisch kommt noch etwas hinzu: Hilfeleistung ist in Deutschland nicht bloß eine nette gesellschaftliche Idee. § 323c StGB verpflichtet zur Hilfe bei Unglücksfällen, gemeiner Gefahr oder Not, soweit die Hilfe erforderlich und den Umständen nach zumutbar ist – insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten. [2]

Das Gesetz verlangt dabei keinen medizinischen Perfektionismus. Es verlangt Hilfe.

Pädagogisch ist deshalb eine der wichtigsten Aufgaben eines Erste-Hilfe-Kurses, Menschen von der Vorstellung zu befreien, sie müssten erst wissen, was der Patient genau hat, bevor sie etwas tun dürfen. Ein Ersthelfer muss nicht zuverlässig zwischen zwanzig internistischen Diagnosen unterscheiden. Er muss erkennen können: Hier stimmt etwas nicht. Hier besteht möglicherweise Lebensgefahr. Ich muss handeln. Die DGUV formuliert dieses Ausbildungsziel sehr ähnlich und nennt als leicht erkennbare Zeichen beispielsweise starke Blutungen, Atemstillstand, Kreislaufstillstand und Bewusstlosigkeit. [5]

Erste Hilfe beginnt also nicht mit der Diagnose. Sie beginnt mit einer Entscheidung.


 

Die vielleicht wichtigste Zeitspanne der Notfallmedizin gehört nicht dem Rettungsdienst

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zeigt sich besonders deutlich, warum Erste Hilfe überhaupt existiert.

Das Deutsche Reanimationsregister dokumentierte für 2025 insgesamt 26.438 Reanimationsfälle aus 208 teilnehmenden Rettungsdiensten. Aus den Daten ergibt sich hochgerechnet, dass in Deutschland 2025 mindestens rund 59.800 Menschen nach einem außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand durch Rettungsdienst und Notarzt reanimiert wurden; das Register weist zugleich darauf hin, dass eine Untererfassung nicht ausgeschlossen werden kann. [10]

In den Referenzstandorten wurden 2025 bei 53,5 Prozent der Betroffenen bereits vor Eintreffen des Rettungsdienstes Reanimationsmaßnahmen durch zufällig anwesende Ersthelfende durchgeführt. [10]

Bei den Patientinnen und Patienten der Referenzgruppe erreichten 31,9 Prozent ein Krankenhaus mit wiederhergestelltem Spontankreislauf, 20,1 Prozent lebten nach 24 Stunden und 10,9 Prozent konnten lebend aus dem Krankenhaus entlassen werden. Diese 10,9 Prozent sind allerdings keine persönliche pauschale „Überlebenschance“ für jeden Herz-Kreislauf-Stillstand; das Ergebnis hängt unter anderem von Ausgangssituation, Beobachtung des Ereignisses, Rhythmus, Ursache und Versorgungskette ab. [10]

Der Deutsche Rat für Wiederbelebung weist darauf hin, dass bei einem unbehandelten Kreislaufstillstand bereits nach etwa drei bis fünf Minuten irreversible Hirnschäden entstehen können. Eine gut ausgeführte Laienreanimation kann nach Angaben des GRC die Überlebenswahrscheinlichkeit etwa verdreifachen. [11]

Das ist der eigentliche Punkt: Der Rettungsdienst kann hervorragend sein und trotzdem zu spät kommen, wenn vorher niemand handelt.

Die ersten Minuten gehören fast immer jemand anderem.

  • Dir.
  • Dem Arbeitskollegen.
  • Der Partnerin.
  • Dem Nachbarn.
  • Dem Menschen am Nebentisch.

Und wahrscheinlich passiert es nicht dort, wo du damit rechnest

Notfälle haben die unangenehme Eigenschaft, sich nicht für einen Kurskalender zu interessieren.

Herz-Kreislauf-Stillstände passieren überwiegend nicht auf spektakulären Großveranstaltungen, sondern häufig im privaten Umfeld. Der GRC nennt für den häuslichen Bereich mehr als 60 Prozent der Fälle. [11]

Das hat eine unangenehme Konsequenz: Wer reanimieren können möchte, lernt das statistisch betrachtet nicht primär für irgendeinen unbekannten Fremden auf der Straße. Häufiger geht es um das eigene Umfeld. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus der Verteilung der Ereignisorte, ist aber keine Garantie für den Einzelfall. [10][11]

Auch jenseits der Reanimation ist die Häufigkeit von Situationen, in denen Ersthelfer gefragt sein können, beträchtlich.

Allein die Feuerwehr Hamburg registrierte 2025 296.394 Rettungsdiensteinsätze. [15]

Im Hamburger Straßenverkehr ereigneten sich 2025 7.635 Unfälle mit Personenschaden, bei denen 8.973 Menschen verunglückten; 21 Personen starben. [16]

Bundesweit meldete die gesetzliche Unfallversicherung für 2025 vorläufig 730.598 meldepflichtige Arbeitsunfälle und 175.140 meldepflichtige Wegeunfälle. [17]

In der Schüler-Unfallversicherung wurden 2025 vorläufig mehr als 1,03 Millionen meldepflichtige Schulunfälle sowie 90.590 Schulwegunfälle ausgewiesen. [18]

Diese Zahlen bedeuten ausdrücklich nicht, dass jeder dieser Fälle lebensbedrohlich war oder einen Rettungswagen erforderte. Sie zeigen aber, wie wenig außergewöhnlich Verletzungen und medizinische Zwischenfälle im täglichen Leben tatsächlich sind. [15][16][17][18]


 

Warum kommt Erste Hilfe trotzdem nicht richtig in der Gesellschaft an?

Hier wird es interessant.

Das Problem ist nicht, dass Menschen grundsätzlich gegen Hilfe wären. Der Deutsche Rat für Wiederbelebung nennt als wesentliche Hemmnisse bei der Laienreanimation vor allem die Angst, etwas falsch zu machen, daneben Unkenntnis und Ekel. [11]

Aus pädagogischer Sicht ist das nachvollziehbar: Wer eine Handlung nur einmal gesehen, vielleicht zweimal halbherzig ausprobiert und anschließend jahrelang nicht mehr angewendet hat, entwickelt daraus kaum eine belastbare Handlungssicherheit. Die internationale Reanimationsforschung beschäftigt sich deshalb intensiv mit Training, Wiederholung und dem Erhalt praktischer Fähigkeiten. ILCOR empfiehlt ausdrücklich CPR-Training, um die Bereitschaft zur Durchführung einer Wiederbelebung zu erhöhen. [12]

Eine aktuelle ILCOR-Evidenzbewertung aus 2026 hält verteiltes Lernen und wiederholtes Training über einen längeren Zeitraum für eine mögliche Alternative zum einmaligen kompakten Training; die Empfehlung ist allerdings wegen der noch begrenzten Evidenz ausdrücklich schwach. [13]

Das passt zu einer Erfahrung aus der Bildungsarbeit: Ein Zertifikat kann man an einem Tag erwerben. Sicherheit im Handeln entsteht durch Erfahrung, Wiederholung und nachvollziehbare Situationen.


 

„Hauptsache billig.“ – das schwierige Image des Erste-Hilfe-Kurses

Eine belastbare bundesweite Statistik, nach der Erste-Hilfe-Kurse grundsätzlich als „langweilig“ wahrgenommen oder ausschließlich nach dem niedrigsten Preis gekauft werden, gibt es nicht. Diese Behauptung sollte deshalb nicht als wissenschaftlicher Fakt verkauft werden.

Dass Erste Hilfe häufig als Pflichttermin wahrgenommen wird, lässt sich jedoch aus der Struktur vieler Anlässe erklären: Für den Führerschein ist der Nachweis gesetzlich vorgeschrieben, in Unternehmen ergeben sich Verpflichtungen aus dem Arbeitsschutz und auch andere Qualifikationen setzen einen Erste-Hilfe-Nachweis voraus. [3][6][9]

Wer einen Kurs zunächst nur benötigt, um anschließend einen Führerscheinantrag, eine betriebliche Bestellung oder einen Qualifikationsnachweis erledigen zu können, hat verständlicherweise ein anderes Eingangsmotiv als jemand, der gerade erlebt hat, wie ein Angehöriger reanimiert wurde.

Das erzeugt ein pädagogisches Problem: Preis und Dauer lassen sich vor einer Buchung einfach vergleichen. Lerntransfer lässt sich nicht so einfach vergleichen.

Ein Kurs für 30 Euro ist nicht automatisch schlecht. Ein Kurs für 150 Euro ist nicht automatisch gut. Entscheidend ist, was während dieser Stunden passiert.

Die DGUV formuliert das bemerkenswert klar: Bei ihren Erste-Hilfe-Ausbildungen soll die ganzheitliche Handlungskompetenz im Mittelpunkt stehen; reine Wissensvermittlung tritt in den Hintergrund, weil konkrete Handlungen praktisch geübt werden müssen. Genau deshalb sind DGUV-Kurse weiterhin Präsenzveranstaltungen. [4]

Das ist pädagogisch ein wichtiger Satz.

Denn ein guter Erste-Hilfe-Kurs ist kein siebenstündiger Vortrag über Krankheiten.

Er ist Training.


 

Wissen ist nicht Können

Du kannst theoretisch erklären, wo die Hände bei einer Reanimation liegen sollen und trotzdem praktisch zu langsam, zu flach oder mit unvollständiger Entlastung drücken.

Genau deshalb empfiehlt ILCOR seit 2025 den Einsatz von Feedbacksystemen beim Reanimationstraining sowohl für professionelle als auch für Laienhelfende mit einer starken Empfehlung und moderater Evidenzsicherheit. Solche Systeme geben objektive Rückmeldung beispielsweise zu Drucktiefe, Frequenz und Entlastung. [12]

Ein guter Unterricht beantwortet also nicht nur die Frage:

„Weißt du, wie es geht?“

Sondern:

„Kannst du es jetzt tatsächlich?“

Das entspricht auch dem Ansatz, den TEN® mit dem Satz „Etwas wirklich können, nicht nur Wissen konsumieren“ beschreibt. [1]


 

Welche Erste-Hilfe-Kurse gibt es überhaupt?

Eine vollständige Liste aller Erste-Hilfe-Kurse kann es nicht geben. Neben gesetzlich oder durch Unfallversicherungsträger definierten Lehrgängen existiert ein praktisch unbegrenztes Spektrum freiwilliger Zielgruppen- und Spezialtrainings. [1][4][5]

Für Deutschland lässt sich die Landschaft aber sinnvoll ordnen:

KursartWofür?Reglementierung / Besonderheit
Erste Hilfe für den FührerscheinFahrerlaubnisMindestens 9 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten; Theorie und praktische Übungen; Durchführung durch anerkannte Stellen. [3]
Betriebliche Erste-Hilfe-AusbildungBestellung zum betrieblichen Ersthelfer9 UE; nur durch entsprechend ermächtigte Ausbildungsstellen. [4][6]
Betriebliche Erste-Hilfe-FortbildungErhalt der Qualifikation9 UE; grundsätzlich im Abstand von zwei Jahren. [4][6]
Erste Hilfe in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für KinderKita, Schule und Betreuung9 UE; kombiniert Erste Hilfe an Erwachsenen und Kindern, je nach Gruppe auch Besonderheiten bei Säuglingen. [4]
Erste Hilfe am Kind / Säugling für Eltern und AngehörigeFamilie und privates UmfeldZielgruppenorientiertes privates Format; nicht automatisch identisch mit dem formal geregelten DGUV-Kurs für Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. [4]
Reanimations- und AED-TrainingSchwerpunkt Herz-Kreislauf-StillstandVertiefung von Erkennen, CPR und AED; ein Spezialtraining ersetzt nicht automatisch einen formal vorgeschriebenen vollständigen Erste-Hilfe-Kurs. [4][12]
BetriebssanitäterErweiterte betriebliche Notfallversorgung63 UE Grundausbildung plus 32 UE Aufbaulehrgang; Fortbildung von 16 UE im Dreijahreszeitraum. [7]
Juleica / JugendarbeitJugendgruppenleitungIn Hamburg ist beim Erstantrag auf die Juleica ein besuchter Erste-Hilfe-Lehrgang nachzuweisen. [9]
Gefährdungsspezifische betriebliche Erste HilfeBesondere Risiken am ArbeitsplatzDie DGUV sieht zusätzliche Qualifikation vor, wenn die normale Grundausbildung wegen besonderer betrieblicher Gefahren nicht ausreicht. [5]
Offshore-/Windenergie-Erste HilfeSchwer erreichbare WindenergieanlagenErweiterte Qualifikation: DGUV-Konzept mit 18 UE zusätzlicher Weiterbildung und 9-UE-Refresher; in Offshore-Situationen können professionelle Rettungskräfte erheblich später eintreffen. [8]
Zielgruppenorientierte Erste HilfeMotorrad, Wandern, Segeln, Sport, Vereine usw.Inhaltlich auf wahrscheinliche Situationen, Umgebung, vorhandenes Material und erwartbare Rettungszeiten zugeschnitten; ILCOR befürwortet zielgruppenspezifische BLS-Kurse nach Bedarf und pädagogischem Ansatz. [12][14]
Notfalltraining für Arztpraxen und medizinische EinrichtungenProfessionelle TeamsKein klassischer Laienkurs; Schwerpunkt auf vorhandenen Kompetenzen, Material, Rollen, Algorithmen und Teamarbeit. TEN führt solche Formate als eigenes Trainingsfeld. [1]
Trauma- und BlutungskontrolltrainingSchwerverletzte / starke BlutungenVertiefungsformat; lebensbedrohliche Blutungen gehören gleichzeitig bereits zu den relevanten Inhalten der allgemeinen betrieblichen Ersten Hilfe. [5]
Taktische Erste Hilfe / EinsatzmedizinBesondere Gefahren- und EinsatzlagenSpezialgebiet außerhalb der normalen Breitenausbildung; TEN führt taktische Formate als eingeschränkt zugängliche Spezialtrainings. [1]

 

Führerschein, BG, DGUV: Warum sehen sich manche Kurse so ähnlich?

Weil sie tatsächlich eng miteinander verwandt sind.

Die Fahrerlaubnis-Verordnung schreibt für die Erste-Hilfe-Schulung mindestens neun Unterrichtseinheiten à 45 Minuten sowie theoretischen Unterricht und praktische Übungen vor. [3]

Auch die betriebliche Erste-Hilfe-Ausbildung umfasst neun Unterrichtseinheiten. Für die Anerkennung als betrieblicher Ersthelfer ist jedoch entscheidend, dass die Ausbildung bei einer von den Unfallversicherungsträgern ermächtigten Ausbildungsstelle erfolgt. [4][6]

Ein Führerschein-Erste-Hilfe-Kurs kann deshalb auch für den Betrieb anerkannt werden, wenn er höchstens zwei Jahre zurückliegt und von einer entsprechend DGUV-ermächtigten Ausbildungsstelle durchgeführt wurde. [4]

Die Lerninhalte können also sehr ähnlich sein. Der Verwendungszweck und die formale Anerkennung sind trotzdem nicht dasselbe.

Das ist ein wichtiges Prinzip: Nicht überall, wo „Erste-Hilfe-Kurs“ draufsteht, steckt automatisch der Nachweis drin, den eine Berufsgenossenschaft, Fahrerlaubnisbehörde, Hochschule oder Organisation konkret verlangt.


 

Berufsgenossenschaft und DGUV – wer regelt da eigentlich was?

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung ist der Spitzenverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften und der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand. Für betriebliche Ersthelfende bestehen konkrete Vorgaben zu Zahl, Qualifikation und Fortbildung. [6][7]

Bei zwei bis zwanzig anwesenden Versicherten ist grundsätzlich mindestens ein Ersthelfer erforderlich. Bei mehr als 20 Anwesenden beträgt die Mindestquote in Verwaltungs- und Handelsbetrieben fünf Prozent und in sonstigen Betrieben zehn Prozent. [6]

Die Standard-Aus- und Fortbildung umfasst neun Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten. Die DGUV sieht außerdem mindestens 45 Minuten Pause vor und begrenzt einen Standardlehrgang auf maximal 20 Teilnehmende. [4]

Die Lehrgangsgebühren für den Standardkurs werden für anspruchsberechtigte Versicherte grundsätzlich vom zuständigen Unfallversicherungsträger getragen und direkt mit der Ausbildungsstelle abgerechnet; beispielsweise Fahrtkosten und Entgeltfortzahlung verbleiben beim Unternehmen. [4][6]

Auch Inhouse-Ausbildungen sind möglich. Wenn durch die Durchführung außerhalb der Ausbildungsstelle tatsächliche Mehrkosten entstehen, können hierfür unter den von der DGUV beschriebenen Voraussetzungen zusätzliche Vereinbarungen mit dem Unternehmen getroffen werden. [4]


 

Und Vereine?

„Erste Hilfe im Verein“ ist keine einzelne bundesweit einheitliche Kurskategorie.

Welche Qualifikation erforderlich ist, hängt von Tätigkeit, Verband, Funktion und gegebenenfalls weiteren Regelwerken ab. Ein konkretes Beispiel ist die Jugendleitercard: Für einen erstmaligen Juleica-Antrag verlangt Hamburg unter anderem den Nachweis über einen besuchten Erste-Hilfe-Lehrgang. [9]

Bei Sportvereinen, Kampfsport, Segelvereinen, Klettergruppen oder Veranstaltungsorganisationen kann zusätzlich eine ganz andere Frage sinnvoll sein:

Nicht nur: Welchen Schein brauchen wir?

Sondern:

Welche Notfälle können bei uns tatsächlich passieren – und könnten wir dann gemeinsam sinnvoll handeln?

Das sind zwei unterschiedliche Fragen.


 

Was gehört in einen guten Erste-Hilfe-Kurs?

Bei einem beliebigen privaten Spezialkurs kann man rechtlich nicht behaupten, dass immer dieselben Inhalte verpflichtend sein müssen. Für die allgemeine Erste-Hilfe-Ausbildung nach DGUV gibt es dagegen klar definierte Themenfelder. [5]

Ein sinnvoller allgemeiner Erste-Hilfe-Kurs sollte deshalb mindestens vier große Handlungskomplexe zuverlässig abbilden.

Eigenschutz und Gefahren erkennen. Die DGUV stellt die eigene Sicherheit, das eigene Schutzverhalten und gegebenenfalls die Rettung aus einem Gefahrenbereich ausdrücklich an den Anfang der Ausbildung. [5]

Bewusstlosigkeit und Atmung beurteilen. Kontaktaufnahme, Bewusstsein und Atmung gehören zu den elementaren Beurteilungen, weil sich daraus die nächsten lebensrettenden Entscheidungen ergeben. [5]

Herz-Kreislauf-Stillstand, Reanimation und AED. Störungen von Atmung und Kreislauf einschließlich Wiederbelebung und AED sind Kernbestandteile der Ausbildung; ILCOR empfiehlt ausdrücklich, Laien in CPR auszubilden. [5][12]

Lebensbedrohliche Blutungen. Blutungen gehören ausdrücklich zu den äußerlich erkennbaren Situationen, auf die Ersthelfende vorbereitet werden sollen. [5]

Der DGUV-Lehrplan geht darüber hinaus und behandelt beispielsweise weitere Verletzungen, Schock, Verbrennungen und Vergiftungen. [5]

Aber wenn jemand nach einem Erste-Hilfe-Kurs noch immer nicht weiß, wie er sich einem Gefahrenbereich nähert, wie er mit einer bewusstlosen Person umgeht, wann er reanimieren muss und was bei einer massiven Blutung zu tun ist, dann stimmt etwas Grundsätzliches nicht.


 

Warum zielgruppenorientierte Kurse mehr sein können als Marketing

Hier wird Erste Hilfe pädagogisch richtig spannend.

ILCOR ermutigt ausdrücklich dazu, BLS-Trainings für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen an deren Bedürfnisse und den jeweiligen pädagogischen Ansatz anzupassen. [12]

Auch die WHO beschreibt für Community First Aid einen systematischen Ansatz, bei dem Menschen lernen, eine Einsatzstelle sicher zu betreten, lebensbedrohliche Zustände zu erkennen, erste Maßnahmen einzuleiten und eine Übergabe an weiterführende medizinische Versorgung zu organisieren. Gerade in schwer erreichbaren Regionen bekommt diese Überbrückungsfunktion besondere Bedeutung. [14]

Das Prinzip lässt sich auf Zielgruppen übertragen.

Ein Motorradclub braucht nicht sieben Stunden lang immer wieder Büro-Unfälle. Verkehrssicherheit, Eigenschutz an der Straße, Gruppenorganisation, schwere Verletzungen, Blutungen, Bewusstlosigkeit und realistische Sturzszenarien besitzen dort eine andere Relevanz.

Eine Wandergruppe bewegt sich möglicherweise dort, wo der Rettungsdienst nicht nach wenigen Minuten vor der Tür steht. Orientierung, Standortübermittlung, Wettereinflüsse, längere Betreuung und der sinnvolle Umgang mit begrenztem Material gewinnen dadurch pädagogisch an Gewicht. Das Grundprinzip, Erste Hilfe an Erreichbarkeit und Umgebung anzupassen, findet sich auch im WHO-Konzept für schwer erreichbare Regionen. [14]

Bei einem Segelverein kommt Wasser hinzu. Eigenschutz, Rettungsorganisation, Kommunikation, begrenzter Platz und die Frage, wie ein Team auf einem Boot zusammenarbeitet, verändern die Situation gegenüber einem Seminarraum an Land.

Bei Kletternden ist nicht nur die Verletzung relevant, sondern möglicherweise auch die Umgebung, in der sie entstanden ist.

Bei einer Karate-, Fußball- oder anderen Sportgruppe wiederum kennen sich die Beteiligten, trainieren regelmäßig miteinander und können Rollen und Abläufe gemeinsam üben.

Bei einer Arztpraxis wäre es pädagogisch sogar fahrlässig, ein Notfalltraining so zu gestalten, als säßen dort ausschließlich medizinische Laien. Vorwissen, vorhandene Geräte, Medikamente, räumliche Bedingungen und Teamrollen müssen Teil des Trainings werden.

Dass besondere Risiken tatsächlich besondere Qualifikationen erfordern können, zeigt die DGUV sehr konkret bei Windenergieanlagen: Offshore-Anlagen können bis zu 125 Kilometer von der Küste entfernt liegen; für entsprechende Einsatzorte beschreibt die DGUV Wartezeiten auf professionelle Rettungskräfte von typischerweise 60 bis 90 Minuten und sieht deshalb eine zusätzliche 18-UE-Qualifikation für „Ersthelfende-Windenergie“ vor. [8]

Das ist Zielgruppenorientierung in ihrer sinnvollsten Form: Die Medizin bleibt richtig – aber der Kontext wird real.


 

Warum Kontext Lernen verändert

Menschen erinnern sich schlecht an isolierte Folien.

Sie erinnern sich eher an Entscheidungen, Erfahrungen und Situationen.

Wenn eine Teilnehmerin selbst feststellen muss, dass eine Übungsperson nicht reagiert, jemanden zum Notruf schickt, einen AED organisieren lässt und anschließend tatsächlich beginnt zu reanimieren, entstehen andere Lernprozesse als beim Betrachten einer PowerPoint-Folie.

ILCOR hält sogenannte In-situ-Simulationen – also Training in der tatsächlichen Arbeitsumgebung – für eine mögliche Option im Reanimationstraining. Die Empfehlung ist wegen der derzeit geringen Evidenzsicherheit noch schwach, einzelne Studien zeigen aber Vorteile beispielsweise bei Teamleistung und bestimmten Trainingsparametern. [12]

Das bedeutet nicht, dass jedes Inhouse-Training automatisch besser ist.

Ein schlechter Kurs wird nicht dadurch gut, dass man denselben schlechten Kurs ins Firmengebäude trägt.

Der Vorteil entsteht erst dann, wenn die Umgebung genutzt wird.

Wo hängt der AED?

Wer ruft an?

Wie lautet eigentlich unsere genaue Adresse?

Wie kommt der Rettungsdienst durch das verschlossene Tor?

Wer holt ihn ab?

Was passiert, wenn der Notfall im zweiten Stock auftritt?

Was befindet sich tatsächlich in unserem Verbandkasten?

Wer übernimmt im Team welche Aufgabe?

Dann wird aus „Erste Hilfe“ plötzlich unsere Erste Hilfe.


 

Offener Kurs oder Inhouse? Beides kann richtig sein

 Offener KursInhouseschulung
TeilnehmendeMenschen aus unterschiedlichen Unternehmen und LebensbereichenEin bestehendes Team
OrganisationEinzelne Personen können sich unkompliziert zu festen Terminen anmeldenTermin wird für eine Organisation geplant
LernortAusbildungszentrumEigener Betrieb, Verein oder Einrichtung
AustauschUnterschiedliche Erfahrungen und PerspektivenGemeinsame betriebliche Abläufe stehen im Vordergrund
RealitätsbezugStandardisierte ÜbungsumgebungReale Räume, Wege, AED-Standorte und organisatorische Probleme können eingebunden werden
TeamtrainingNur eingeschränkt, weil sich Teilnehmende häufig nicht kennenRollen und Kommunikation des echten Teams können trainiert werden
FlexibilitätBesonders praktisch für Einzelpersonen oder wenige BeschäftigteBesonders interessant für größere Gruppen oder spezifische Anforderungen
DGUVAls Standardlehrgang bei ermächtigter Stelle möglichEbenfalls möglich; die formalen Anforderungen bleiben bestehen. [4][6]
Mögliche ZusatzkostenStandardkurs für anspruchsberechtigte betriebliche Ersthelfende wird grundsätzlich vom UV-Träger getragenTatsächliche inhousebedingte Mehrkosten können unter den DGUV-Voraussetzungen zusätzlich vereinbart werden. [4]

Der offene Kurs hat einen unterschätzten Vorteil: Dort treffen Menschen aufeinander, die völlig unterschiedliche Erfahrungen mitbringen. Ein Handwerker betrachtet Risiken anders als jemand aus einer Kindertagesstätte, ein Fahrschüler anders als eine Pflegekraft. Diese Mischung kann Diskussionen bereichern.

Der Inhousekurs hat dagegen einen erheblichen Transfer-Vorteil, wenn er konsequent auf den Betrieb zugeschnitten wird. Diese Einordnung wird durch die DGUV-Forderung nach betriebs- und gefährdungsspezifischer Qualifikation sowie durch die Forschung zur In-situ-Simulation gestützt. [5][7][12]

Was besser ist, entscheidet also nicht die Überschrift auf dem Kurs.

Es entscheidet der Zweck.


 

Eine Werkstatt braucht nicht denselben Kurs wie ein Segelverein

Das Basissystem bleibt gleich.

  • Gefahr.
  • Bewusstsein.
  • Atmung.
  • Notruf.
  • Reanimation.
  • Blutung.


Aber rund um dieses Fundament kann sich ein guter Kurs deutlich verändern. Dass die DGUV bei besonderen betrieblichen Gefahren zusätzliche Ausbildung verlangt und etwa für Chemie, Baustellen oder Windenergie unterschiedliche Schwerpunkte beschreibt, zeigt, dass dieses Prinzip auch regulatorisch anerkannt ist. [5][7][8]

Das ist der Unterschied zwischen einem Lehrplan und einem Lernerlebnis.

Der Lehrplan sagt, was vermittelt werden muss.

Gute Pädagogik entscheidet, wie daraus etwas wird, das ein Mensch drei Monate später noch anwenden kann.


 

Wenn die Erkenntnis erst nach dem Notfall kommt

Menschen unterschätzen Risiken häufig nicht deshalb, weil sie verantwortungslos wären, sondern weil seltene Ereignisse im normalen Alltag abstrakt bleiben.

Eine Reanimation ist vor dem ersten eigenen Erlebnis ein Thema auf einer Übungspuppe.

Danach ist sie ein Geräusch, ein Raum, ein Gesicht und ein Gefühl.

Dass Training die Bereitschaft zur Reanimation erhöhen soll, ist deshalb ein ausdrückliches Ziel der internationalen Leitlinien. [12]

Die pädagogische Aufgabe besteht darin, diese Relevanz vor dem Ernstfall herzustellen, ohne mit Angst zu arbeiten.

Nicht: „Dir wird bestimmt etwas Schreckliches passieren.“

Sondern: „Wenn etwas passiert, kannst du einen Unterschied machen.“

Das ist Motivation durch Selbstwirksamkeit.


 

Wenn Ersthelfer tatsächlich den Unterschied machen

Man muss dafür keine hypothetischen Geschichten erfinden.

Im Juli 2026 bemerkte eine Strandbesucherin in Strande an der Ostsee eine 85-jährige Schwimmerin, die bewusstlos geworden war. Sie zog die Frau aus dem Wasser und begann mit der Wiederbelebung; zwei Medizinstudentinnen unterstützten sie. Nach Angaben der Polizei kehrte nach kurzer Zeit ein Puls zurück, und die Ersthelfenden hätten der Frau wahrscheinlich das Leben gerettet. Anschließend übernahm der Rettungsdienst. [19]

Das Beispiel ist bemerkenswert, weil zunächst keine Hightech-Medizin den Unterschied machte.

Jemand hat hingesehen.

Jemand ist hingegangen.

Jemand hat angefangen.

Ein anderes Beispiel stammt aus Dassendorf in Schleswig-Holstein. Schülerinnen und Schüler bemerkten Ende 2025, dass der Fahrer ihres Busses bewusstlos geworden war. Nach Angaben der Polizei reagierten sie sofort, brachten ihn in die stabile Seitenlage und setzten den Notruf ab; die Polizei erklärte, dass ihr Verhalten vermutlich Schlimmeres verhindert habe. [20]

Auch das ist Erste Hilfe.

Nicht spektakulär.

Nicht heroisch inszeniert.

Ein Problem erkennen und das Richtige tun.


 

Muss ich Krankheiten erkennen können?

Ja – aber anders, als viele denken.

Ein Erste-Hilfe-Kurs soll aus Laien keine diagnostischen Fachkräfte machen. Die DGUV beschreibt als Ziel vielmehr, anhand äußerer Erscheinungsbilder oder einfach feststellbarer Symptome eine mögliche Gefahr für Gesundheit und Leben zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. [5]

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Du musst nicht jedes neurologische, kardiologische oder internistische Krankheitsbild benennen können.

Du solltest aber erkennen, dass eine Person plötzlich auffällig verändert, bewusstlos, schwer verletzt oder nicht normal atmend ist – und daraus die richtige Handlung ableiten.

Erkennen bedeutet in der Ersten Hilfe deshalb vor allem: Handlungsbedarf erkennen.


 

Erste Hilfe ist auch Organisation

Viele Notfälle scheitern nicht an fehlendem Spezialwissen, sondern an erstaunlich einfachen Dingen.

Niemand fühlt sich zuständig.

Drei Leute wählen gleichzeitig den Notruf und niemand holt den AED.

Das Werkstor ist verschlossen.

Der Rettungsdienst findet den Eingang nicht.

Der Verbandkasten hängt irgendwo, aber keiner weiß wo.

Im Ernstfall zeigen sich solche Probleme brutal schnell.

Die DGUV betrachtet Erste Hilfe im Betrieb deshalb ausdrücklich als organisatorische Aufgabe und verlangt unter anderem eine ausreichende Zahl qualifizierter Ersthelfender; besondere Gefahren, Betriebsstruktur und Ausdehnung müssen bei der Organisation berücksichtigt werden. [5][6]

Ein gutes Inhouse-Training kann genau diese Schwachstellen sichtbar machen.

Und manchmal ist die wichtigste Erkenntnis eines Trainings nicht:

„Wir müssen besser reanimieren.“

Sondern:

„Unser AED hängt an einem Ort, den samstags niemand erreicht.“


 

Erste Hilfe ist älter als jeder Führerschein – und ihre moderne Geschichte führt auch aufs Schlachtfeld

Menschen haben Verletzten selbstverständlich lange vor modernen Kurskonzepten geholfen. Einen entscheidenden institutionellen Impuls für die organisierte moderne Erste Hilfe und das internationale humanitäre System lieferte jedoch ausgerechnet der Krieg. [21]

1859 erlebte der Schweizer Henry Dunant die Folgen der Schlacht von Solferino und beteiligte sich an der Versorgung verwundeter Soldaten. Seine Erfahrungen veröffentlichte er 1862 in Eine Erinnerung an Solferino. [21]

Dunant entwickelte daraus unter anderem die Idee freiwilliger Hilfsgesellschaften zur Unterstützung verwundeter Soldaten. 1863 trat in Genf die Arbeitsgruppe zusammen, aus der das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hervorging. [21]

1864 wurde die erste Genfer Konvention verabschiedet; sie verpflichtete Armeen zur Versorgung verwundeter Soldaten unabhängig davon, auf welcher Seite sie kämpften. [21]

Damit liegt ein bedeutender Ursprung organisierter moderner Hilfeleistung tatsächlich in der Militär- und Kriegsgeschichte.

Das wirkt auf den ersten Blick paradox.

Aber eigentlich erzählt es etwas Grundsätzliches über Erste Hilfe:

Wenn professionelle medizinische Versorgung nicht sofort verfügbar ist, entscheidet das Handeln der Menschen vor Ort.

  • 1859 auf einem Schlachtfeld.
  • Heute auf der A7.
  • Im Hamburger Büro.
  • Auf einem Sportplatz.
  • Auf der Ostsee.
  • Oder morgens zu Hause im Badezimmer.
  • Die Technik hat sich verändert.

Die erste Frage nicht:

Hilft jemand?



Was einen guten Kurs heute ausmacht

Ein moderner Erste-Hilfe-Kurs sollte deshalb weder versuchen, möglichst viele Krankheitsbilder in möglichst wenig Zeit zu pressen, noch Erwachsene sieben Stunden lang mit Folien zu beschäftigen.

Die DGUV selbst definiert Handlungskompetenz und praktisches Üben als wesentliches Ziel ihrer Kurse. [4][5]

ILCOR empfiehlt objektives Feedback beim Reanimationstraining und spricht sich dafür aus, zielgruppenspezifische BLS-Kurse entsprechend den Bedürfnissen der jeweiligen Teilnehmenden zu entwickeln. [12]

Daraus ergibt sich für uns ein ziemlich klares pädagogisches Bild:

Ein Kurs sollte Menschen entscheiden lassen.

Er sollte sie üben lassen.

Er sollte Fehler zulassen, solange sie im geschützten Trainingsraum passieren.

Er sollte erklären, warum etwas getan wird.

Und er sollte den Punkt erreichen, an dem aus:

„Ich glaube, ich weiß noch ungefähr, wie das ging“

ein:

„Ja. Ich kann anfangen.“

wird.
 



Der Schein ist nicht das Ziel

Natürlich brauchen wir Bescheinigungen.

Die Fahrerlaubnisbehörde braucht einen Nachweis. [3]

Der Arbeitgeber muss qualifizierte Ersthelfende organisieren und dokumentieren können. [6]

Für bestimmte Tätigkeiten und Qualifikationen gelten definierte Anforderungen. [8][9]

Das ist sinnvoll.

Problematisch wird es erst, wenn der Nachweis zum eigentlichen Produkt und das Können zur Nebensache wird.

Denn beim Herz-Kreislauf-Stillstand interessiert es niemanden, ob deine Teilnahmebescheinigung schön gedruckt war.

Es zählt, ob du dich erinnerst.

Ob du dich traust.

Und ob du anfängst.

Safety starts with competence. Diesen Anspruch formuliert TEN® als Leitgedanken seiner Bildungsarbeit. [1]

Oder einfacher:

We train. You grow.

 



Noch eine Hamburger Besonderheit: Warum wir „Du“ sagen

Wir sprechen dich bei TEN® mit Du an. Nicht, weil Erste Hilfe flapsig wäre und auch nicht, weil Professionalität Distanz braucht.

Sondern weil Lernen Kommunikation auf Augenhöhe braucht.

Eine kleine sprachliche Korrektur ist dabei interessant: Das, was sprachwissenschaftlich tatsächlich als „Hamburger Sie“ bezeichnet wird, ist die Kombination aus Vorname und „Sie“ – beispielsweise „Peter, kommen Sie bitte mit“. Das Gegenstück aus Nachname und „Du“ wird als „Münchener Du“ bezeichnet. [22]

Wenn wir bei TEN also augenzwinkernd von unserem „Hamburger Du“ sprechen, ist das keine sprachwissenschaftliche Fachbezeichnung.

Es beschreibt unsere Haltung:

  • Du darfst Fragen stellen.
  • Du darfst etwas nicht wissen.
  • Du darfst beim Üben Fehler machen.
  • Du sollst verstehen, warum du etwas tust.
  • Und am Ende sollst du mehr können als vorher.
  • Denn wenn irgendwann wirklich jemand vor dir liegt, braucht dieser Mensch keinen Kursteilnehmer.

Er braucht jemanden, der hilft.


Quellen

  1. TEN® – Trainingszentrum für Erste Hilfe & Notfallmedizin, Hamburg: Selbstdarstellung, Kursangebot, Erste Hilfe, Betrieb, Führerschein, Betriebssanitätsdienst, Reanimation/AED, Spezialtrainings und Inhouse-Angebote; abgerufen am 16.08.2026.

  2. Bundesministerium der Justiz / Strafgesetzbuch, § 323c StGB: Unterlassene Hilfeleistung; aktueller Gesetzestext.

  3. Bundesministerium der Justiz / Fahrerlaubnis-Verordnung, § 19 FeV: Schulung in Erster Hilfe für Fahrerlaubnisbewerber; mindestens neun Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten.

  4. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Fachbereich Erste Hilfe – FAQ: Umfang, Präsenzpflicht, Anerkennung, Fortbildung, Kosten und Durchführung betrieblicher Erste-Hilfe-Kurse.

  5. DGUV Information 204-022 „Erste Hilfe im Betrieb“: Ausbildungsziele, Inhalte, Organisation und besondere betriebliche Gefährdungen.

  6. DGUV Fachbereich Erste Hilfe – Betrieblicher Ersthelfer: Mindestzahlen, Ausbildung, Fortbildung, ermächtigte Stellen und Kostenübernahme.

  7. DGUV / Arbeit & Gesundheit – Betriebssanitäterinnen und Betriebssanitäter: Ausbildung mit 63 UE Grundausbildung, 32 UE Aufbaulehrgang und 16 UE Fortbildung sowie Bedeutung betriebsspezifischer Risiken.

  8. DGUV Fachbereich Erste Hilfe – Erste Hilfe Windenergie: Erweiterte Erste Hilfe in On- und Offshore-Windenergieanlagen, Rettungszeiten und Weiterbildung Ersthelfende-Windenergie.

  9. Freie und Hansestadt Hamburg – Jugendleitercard (Juleica): Voraussetzungen und Erste-Hilfe-Nachweis beim Erstantrag.

  10. Deutsches Reanimationsregister – Außerklinische Reanimation, Jahresbericht 2025: Fallzahlen, Laienreanimationsquote und Behandlungsergebnisse.

  11. German Resuscitation Council – Laienreanimation: Hemmnisse bei der Hilfeleistung, Zeitkritik des Kreislaufstillstands und Einfluss der Laienreanimation auf das Überleben.

  12. International Liaison Committee on Resuscitation – CoSTR 2025, Education, Implementation and Teams: zielgruppenspezifisches BLS-Training, Trainingsbereitschaft, Feedbacksysteme und In-situ-Simulation.

  13. ILCOR – Evidence Update 2026, Spaced Learning: verteiltes und wiederholtes Lernen gegenüber einmaligem kompakten Training.

  14. World Health Organization – Community First Aid Response: systematische Laienhilfe, Gefahrenbeurteilung, Erkennen lebensbedrohlicher Zustände und Überbrückung bis zur professionellen Versorgung.

  15. Freie und Hansestadt Hamburg – Jahresbericht Feuerwehr Hamburg 2025: Einsatzstatistik des Hamburger Rettungsdienstes.

  16. Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein – Verkehrsunfälle in Hamburg 2025: Unfälle mit Personenschaden und Verunglückte.

  17. DGUV – Vorläufige Unfallzahlen 2025, Allgemeine Unfallversicherung: Arbeits- und Wegeunfälle.

  18. DGUV – Vorläufige Unfallzahlen 2025, Schüler-Unfallversicherung: Schul- und Schulwegunfälle.

  19. NDR, 31.07.2026 – „Strandbesucher retten 85-jährige Schwimmerin“: dokumentiertes Beispiel einer Reanimation durch Ersthelfende in Strande.

  20. NDR, 04.12.2025 – „Busfahrer in Not: Dassendorfer Schüler retten Leben“: dokumentiertes Beispiel junger Ersthelfender.

  21. International Committee of the Red Cross – Founding and early years of the ICRC: Henry Dunant, Solferino 1859, Gründungsgeschichte des Roten Kreuzes und erste Genfer Konvention.

  22. Goethe-Institut – „Du oder Sie: Regionale Unterschiede“: sprachliche Einordnung von „Hamburger Sie“ und „Münchener Du“.